reBlog: ACTA Review

Endlich mal eine differenzierte, und dennoch kritische Sicht auf ACTA. Nachzulesen im HKN Blog: http://blog.hkn.de/622/dies-das/der-kampf-gegen-piraterie-geistigen-eigentums-acta-durchleuchtet

Das Fazit:

Wenn man es herunterbricht, ist es daher erstmal gar nicht das Abkommen selbst, das für Wirbel sorgt. Vielmehr wurde ein grundlegender Fehler in Zeiten der Echtzeitinformationen begangen: Man hat die Informationen wohlweißlich nicht geteilt, die (zum Glück) zunehmend demokratische Welt von wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen. Denn wenn durch das Internet eines erreicht wurde, dann, dass die Meinungsfreiheit vergrößert und Kommunikationswege verkürzt wurden. Die Einführung der Verantwortlichen und der Umgang mit dem ACTA war und ist daher schlicht eines: missraten.

Der ACTA ist ein Fehler, weil er eine wichtige Grundlage vermissen lässt und daher noch gar nicht besprochen werden dürfte. Es handelt sich gerade bei Urheberrechtsschutz in Zeiten des Internets um ein Rechtsgebiet, das überhaupt noch gar nicht geklärt ist, was besonders damit zu tun hat, dass Urheberrechtsgesetze mit den „neuen Medien“ nicht Schritt halten. Wie es im ACTA selbst steht, wird der Begriff des „geistigen Eigentums“ überhaupt nicht definiert. Ohne jedoch ein Verständnis, vielleicht sogar eine konkrete Definition dafür, was geschützt werden soll, dürfte es das ACTA, das „Grundlagen und Instrumente für Kontrolle und Strafverfolgung […] schaffen“16 soll, gar nicht geben.

Offensichtlich ist nur eines: „[…] [N]atürlich schränken Bestrebungen, das geistige Eigentum in der digitalen Welt zu schützen, andere Rechte ein“17, wie es Reinhard Müller von der FAZ formuliert. Die Frage ist: Welche Rechte und in welchem Umfang? Dies kann, darf und sollte nur auf demokratischem Wege entschlossen werden. Und nicht in abgeschlossenen Konferenzräumen, deren Entscheidungen eher zufällig an die Öffentlichkeit gelangen.

2 WG Zimmer suchen – Javascript-Hilfe

Ich habe letztens nach einer WG mit zwei freien Zimmern gesucht. Leider bieten die meisten Seiten, besonders WG-Gesucht.de keine Such-Option dafür an.

Also habe ich mir ein kleines Javascript gebaut, das man entweder als Greasemonkey Script installieren kann (erspart das lästige klicken, bei jeder neuen Seite):

Installieren

Oder, wenn man keine Userscript-Funktionen hat (z.B. kein Greasemonkey installiert),  einfach als Bookmarklet sich auf die Lesezeichen-Leiste ziehen kann

Nur 2 Zimmer anzeigen

Diesen Link in die Lesezeichen-Toolbar ziehen und dann muss man auf jeder Ergebnisseite von WG-Gesucht nochmal kurz auf den Knopf drücken. Alle Ergebnisse mit nur einem freien Zimmer werden ausgeblendet.

Hoffentlich hilft es noch jemand weiter, der das auch braucht.

Laden-Check: “Das Lädchen” in Bergneustadt

Zum zweiten Mal war ich heute im Second-Hand-Kleidungsgeschäft “Das Lädchen” in Bergneustadt. Ich bin von dem Laden begeistert und möchte euch darum ein paar Infos dazu geben.

Aber zuerst: Second Hand ist nicht nur für “arme Leute”! Second Hand ist etwas für jeden. Mit der Wiederverwendung von Kleidung:

  • vermeiden wir Abfälle
  • zerstören weniger die Märkte in den Schwellenländern (wo gebrauchte Kleidung sonst landen würde),
  • und werfen unser Geld nicht den großen Kleiderkonzernen (die fast alle unter menschenunwürdigen Bedingungen produzieren lassen) in den Rachen.
  • Und natürlich spart man dadurch Geld.

Nun zum Laden: Er wird vom Verein für Soziale Aufgaben e.V. schon seit fast 30 Jahren in Bergneustadt unterhalten. Im Geschäft gibt es sehr gut erhaltene Kleidung, für Herren, für Damen und für Kinder. Alle Mitarbeiter sind ehrenamtlich engagiert und der komplette Erlös wird an soziale Vereine in Bergneustadt gespendet (letztes Jahr: rund 10.000€). Alles in allem eine Einrichtung, die mit dazu beiträgt, dass Bergneustadt ein besserer Ort wird, und dass das wenige vorhandene Geld nicht abfließt.

Ich habe mir dort bereits ein paar Kleiderstücke gekauft, Hosen gibt es ab 2,50€, Pullover gibt es auch ab 2,50€.

Die Mitarbeiter sind sehr freundlich und es gibt eine kleine Umkleidekabine. Die Auswahl ist unterschiedlich. Viele Sachen sind schon etwas älter, und teilweise auch nicht mehr ganz die neuste Mode, aber auch viele modische Sachen sind dazwischen. Man sollte sich ein wenig Zeit mitnehmen, um gut hinzusehen, wenn man dort einkauft. Auf jeden Fall sind die Sachen alle sauber, frisch gewaschen und in einem sehr guten Zustand.

Früher hat der Laden auch Dritte-Welt-Artikel geführt, da aber die Kundengruppe des Second-Hand-Ladens dafür wenig Faible hatte, ist der Bereich seit dem Umzug 2007 aufgegeben worden.

Also: Neue Hose gefällig? Brauchst du ein neues T-Shirt? Geh’ doch mal in den Second-Hand-Laden und schau dich dort um. Und gut erhaltene Gebrauchte Kleidung, die dir zu groß geworden ist, oder die dir nicht mehr gefällt, kannst du in dem Zuge direkt dort abgeben.

Der Gott des Kapitalismus

Der Gott des Kapitalismus hat unlängst auch in evangelikalen Werken und Gemeinschaften eine immer größer werdende Anhängerschar. Die synkretistische Vereinigung des Christseins und des Kapitalismus wird von Kapitalisten begrüßt und von Christen gar nicht erst als solche gesehen.

So ist die Begründung der Finanziellen Machbarkeit in letzter Zeit immer häufiger die Begründung von Veränderungen in Werken gewesen, als eine Begründung aus dem Glauben an Gott und seinen Geboten, oder gar aus konkreten Aufträgen. So steht als erstes das Geld, und dann hofft man noch Gott ins Boot zu holen.

Oder man beutet mit Produkten, die unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert werden, Personen in genau den Ländern aus, in die man dann noch gnädigerweise ein paar Spenden hinkommen lässt, oder manchmal entsendet man sogar einen Missionar.

Das “Suchet der Stadt bestes” (Jer 29), das oft angeführt wird, interpretieren die meisten als “Suchet der Stadt gutes, was mir persönlich am meisten nützt”. Doch in unserer Globalisierten Welt – die Christen ja zumeist begrüßen und befürworten – muss die Stelle aus Jeremia meiner Ansicht nach mit “Suchet der Welt bestes” übersetzt werden, und dazu gehört dann eben auch, dass man sich Gedanken macht, warum manche Dinge so billig sind, wie sie es eben sind. Warum Kaffee, der ja vollständig von Hand angebaut, gepflückt und getrocknet werden muss billiger ist, als manch maschinell gefertigtes Gut.

Oder auch, woher denn das Geld kommt, mit denen meine 7% Zinsen garantiert für ein Jahr herkommen? Wer muss Geld dafür abgeben, dass ich mehr bekomme – für nichts tun noch dazu? Sind es am Ende doch die, mit wenig Geld? Immerhin ist der Dispokredit einer der teuersten Kreditformen, die es gibt.

Wenn wir Christen wirklich das beste unserer Welt suchen wollen, müssen wir uns aufmachen, und uns hinterfragen, uns überlegen, dass unser Einkauf bei ALDI Auswirkungen auf die Umwelt, Mitwelt und auf die Menschen hat. Und wenn wir uns über Arbeitsbedingungen in den Discountern beschweren, die in den Medien ja neuerdings beanstandet werden, müssen wir daraus Konsequenzen ziehen. Nicht einfach fröhlich weiter dort einkaufen. Sondern Alternativen suchen, die fair sind.

Denn sonst, sind wir nicht anders, als diejenigen, die von Gott durch Amos angeprangert werden:

Hört, ihr Frauen von Samaria, gut genährt und schön wie Baschans Kühe! Ihr unterdrückt die Schwachen und schindet die Armen. Ihr sagt zu euren Männern: »Los, schafft uns zu trinken herbei!« (Amos 4,1; GNB)

Ich will die Armen nicht weiter schinden. Wer macht mit?

Moldawien Teil 6: Internet-Diaspora

Seit meinem letzten Beitrag ist fast ein gesamter Monat vergangen. Es liegt an mehreren Dingen: 1. Habe ich inzwischen mehr zu tun, und 2. hatte ich den größten Teil der Zeit gar kein Internet.

Eingang zum Lager Mioriță

Aber kurz von vorne: Am Montag, an dem ich aus Ulanești zurückkam, bin ich direkt weitergefahren, nach Ivancea. Dort gibt es ein Nurdachhüttenlager, was noch zu Kommunistenzeiten erbaut wurde und immer noch als Staatsbetrieb geführt wird. Dort war ich also mit etwa 250 Kindern aus ganz Moldawien zusammen, die von Missionaren und Pastoren eingeladen wurden, dort hin zu kommen. Die meisten Familien haben kaum genug Geld um sich selber genug zu essen zu kaufen, darum war das Camp auch kostenlos. Ein Team aus der (rumänischsprachigen) Gemeinde “Isus Salvatorul” (deutsch: Jesus, der Retter) aus Renton, Washington State hat das Camp geleitet und auch die Kosten komplett übernommen. Allein die Miete für das Gelände hat schon 6.000$ betragen!

Nurdachhütten in Ivancea

Das Camp war für mich sehr unterschiedlich, ich habe wenig verstanden und die meisten Englisch-sprechenden Personen auf dem Gelände waren Mitarbeiter und damit eingespannt. So habe ich mich viel ausgeruht, gelesen und Rumänisch gelernt. Am dritten Tag habe ich dann aber Valeria kennen gelernt, ein 17-jähriges Mädel aus Chișinău, die sehr gut Englisch sprach. Da sie nicht wirkliche Mitarbeiterin und auch keine richtige Teilnehmerin war, habe ich mich immer wieder mit ihr unterhalten können. Auf dem Camp habe ich einige Probleme überwinden gelernt: Stechmücken, die das Klo bevölkern, defekte Klotüren, defekte Toilettenbeleuchtung, Wasser, das nach Sulfat riecht und schmeckt, …

Aber ich habe auch gutes Essen kennen gelernt, wie Mamaliga und andere Sachen, deren Namen ich beim besten Willen nicht mehr weiß 🙂 Auch erstaunlich war für mich, dass sich bei den Aufrufen am Mittwoch und Donnerstag Abend, insgesamt geschätzte 150-200 Jugendliche bekehrten. Wenn man bedenkt, dass von den anderen viele bereits Christen waren, und die meisten die nach vorne gingen das erste Mal überhaupt vom Glauben an den Gott der Bibel hörten, war das für mich erstaunlich. Solche Phänomene wünsche ich mir auch in Zukunft für Deutschland.

Baptistengemeinde Braivcea

Am Ende war diese Woche dann doch schnell vorbei und ich bin wieder nach Chișinău gefahren, doch der Aufenthalt hier beschränkte sich auf eine Nacht, dann ging es schon weiter nach Bravicea. Dort gibt es eine kleine Gemeinde, die das größte Haus im Ort besitzt und (fast) die einzigen Arbeitsplätze stellt. Erstmal war ich geschockt, wie das Gemeindehaus aussah, wie “prunkvoll” es ist, und habe ernste Zweifel gehegt, ob die Gemeinde nur sich selber Darstellen will, oder ob hier tatsächlich die Menschen im Blick sind. Mit der Zeit habe ich festgestellt, dass das Haus genau richtig ist: Es besitzt einen kleinen Saal, der für ca. 80 Personen bei uns eine Zulassung bekäme, der aber keine Bänke hat, sondern Stühle. In dem Saal finden regelmäßig Armenspeisungen und andere Veranstaltungen statt. Den größten Teil des Gebäudes nimmt die Küche ein, in der täglich für Senioren aus der Region, die nicht mehr für sich Sorgen können kostenlos! ein Essen gekocht  und geliefert wird. Auch bekommen einige Kinder täglich ein Mittagessen in der Gemeinde, weil ihre Eltern sich nicht um sie kümmern. Draußen auf dem Hof steht ein Sanitärhaus, darin befinden sich jeweils getrennte Toiletten und Duschen für Männer und Frauen. Die einzigen Duschen im ganzen Ort besitzt die Gemeinde, denn das öffentliche Badehaus hat nach dem Zerfall der Sowietunion und der Unabhängigkeit dichtgemacht, nach dem der private Käufer es ordentlich ausgeschlachtet hatte. Im Obergeschoss befinden sich noch zwei Räume, in denen Betten stehen. Dort haben wir auch geschlafen. Ein Zimmer für die Männer und ein Zimmer für die Frauen, ein 1m² großes WC. Was krass war, war dass die beiden Fremdenzimmer mit Klimaanlagen ausgestattet waren, die Gemeinde aus Bonn, die den Bau finanziert hat, hat sie gespendet, für wenn Besuche aus Deutschland kommen. Gleichzeitig mit mir kam dort ein Team aus Bonn, ein Team aus Dresden, ein Team aus Donrath und das Team aus Chișinău an. Wir haben uns am Anfang erstmal kennen lernen müssen, aber das ging schnell. Sonntag war dann ein gemeinsamer Gottesdienst auf Rumänsich und Russisch, da habe ich gemerkt, dass ich Rumänisch schon einiges verstehe.

Bewegungslieder kommen auch hier gut an

Ab Montag begann dann eine “Kinderfreizeit”, bei der die Kinder aber daheim schliefen. Das Programm war jeden Tag von 9.00 – 13.00 Uhr. Von Anfangs 180 Kindern, wuchs die Teilnehmerzahl auf 270 Kinder am letzten Tag an. Es war unglaublich heiß die ganzen Tage und, da die Kinder keine Waschmöglichkeiten haben, roch es im Saal meistens wirklich nicht sehr lecker. Wenn ein Kind den Saal verließ, weil es aufs Klo musste, war sein Platz sofort unsichtbar, weil die Kinder so eng saßen, dass jede Lücke sofort entweder gestopft wurde, oder von wo anders nachgerutscht. Anfangs wurde erst Frühsport gemacht, dann gesungen und eine Biblische Geschichte anhand eines kleinen Theaterstücks aufgeführt. Hernach wurden die Kinder in zwei Gruppen geteilt, die dann abwechselnd Sportspiele machten oder Bastelten. Unglaublich war, dass diese armen Kinder, so viel Fröhlichkeit ausstrahlen konnten

Die Frage, wie Gemeinde in so einer Situation einem frisch bekehrten keine materiellen Vorteile bringt, und zugleich die Lebenssituation der Menschen verbessert, bleibt jedoch.

Vor dem Haus der Familie

Bei einem Hausbesuch bei einer Familie, von der den Mitarbeitern zugetragen wurde, dass sie unter sehr schlimmen Verhältnissen leben, war ich dabei. Die 3 Kinder wohnen zusammen mit ihrer Mutter und den Großeltern in einem einstöckigen 2-Zimmer Haus mit einer Gesamtgrundfläche von ca. 20m². Der Vater der beiden älteren ist verstorben, der Vater des jüngsten ist abgehauen, der Großvater ist Alkoholiker und die Mutter trinkt auch zu viel. Die Großmutter geht gelegentlich als Tagelöhnerin arbeiten, um ihre lieben durch zu füttern. Zum Glück geben die Nachbarn den Kindern auch immer wieder etwas zu essen ab. Am nächsten Tag waren die Kinder auch bei der Freizeit dabei, zu der wir sie eingeladen haben. Wie verändert die Kinder dort waren! Fröhlich und ausgelassen. So habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, dass den Kindern Liebe und Zuneigung gegeben wird!

Das Haus gegenüber vom Rutschturm
Rutschturm in Schinoasa

In einem Roma-Dorf “Schinoasa” in der Nähe, aus der auch viele Kinder zu der Freizeit kamen, haben wir die Woche über nachmittags immer wieder “gebaut”. Auf einem Grundstück gruben wir mit Erdbohrern Löcher um ein Fundament zu setzen, evelierten den Boden. In der zweiten Woche entstand dann hier ein kleiner Spielplatz. Das Dorf, mit ca. 300-400 Einwohnern, hat mehr als 150 Kinder. Jetzt gibt es zwei Rutschen für sie, und weil das so etwas besonderes für sie ist, gibt es Streit. Der Baron (Dorfälteste) hat also angeordnet, die Rutschen abzumontieren und nur wieder anzuschrauben, wenn jemand Aufsicht führt. Was löst bei Deutschen Kindern eine Rutsche aus, außer einem lauten gähnen??

In der besagten zweiten Woche kam auch noch die Gruppe Kowtscheg aus der Ukraine. Gemeinsam mit einigen Deutschen und Moldawiern wurden Evangelisations-Gottesdienste in verschiedenen Orten durchgeführt. Die Reaktion war sehr unterschiedlich. An einem Ort entschieden sich mehr als 20 Leute, ein Leben mit Jesus führen zu wollen, an anderen Orten kamen kaum Personen. Und im Endeffekt war es eine sehr gelungene Woche!

Die MallDova, zweitgrößtes Einkaufszentrum in Chisinau

Am letzten Freitag waren wir dann nochmal mit allen Deutschen in Chișinău und haben Touri gespielt, wie schon eine Woche vorher. Da sich das Team aber in der Zusammensetzung geändert hat, kam der Wunsch wieder. Wie schon die Woche zuvor, habe ich mich nach der langen Zeit auf dem Land in der Stadt überhaupt nicht wohlfühlen können! Es schien alles so oberflächlich, äußerlich und künstlich. Und bei den Preisen in den Geschäften, wo ein T-Shirt mehr kostet, als eine Familie im Jahr für Lebensmittel zur Verfügung hat, könnte ich mit einem reinen Gewissen nicht einkaufen!

Jetzt bin ich seit Samstag wieder “normal” in der Stadt, habe den größten Kulturschock hinter mir gelassen, und arbeite wieder im Büro. Nebenbei schreibe ich Wikipedia-Artikel über die Orte, in denen wir die letzte Woche waren, und habe bis Freitag auch regelmäig mit Sarah skypen können. Das tat mir sehr gut.

Morgen wird sich alles wieder ändern, wenn ein weiteres Team aus Deutschland kommt, mit denen wir eine Kinderfreizeit gestalten werden und Gefängnisbesuche machen. Zudem ist Sarah seit Freitag auf Tour und wir können nur noch  wenig Kontakt halten, das ist nicht einfach! Seit 4 Tagen habe ich den Auftrag die Morgen-Andachten bis zum Ende meines Aufenthaltes hier zu gestalten, bisher macht mir das viel Spaß, trotz anfänglicher Zweifel, da ich die Andachten hier bisher noch nie wirklich verstanden habe, also gar nicht wusste, was von mir erwartet wird.

Morgen hab ich auch Geburtstag und bin mal gespannt, ob ich es irgendwie feiern kann, zuerst wollte ich abends in kleiner Runde feiern, aber jetzt kommen da ja die neuen Gäste, also klappt das auch nicht. Mal sehen.

Viele Grüße aus Moldawien und danke an alle, die für mich und meine Zeit beten und an mich denken.

Patrick

P.S. Lasst eure Kommentare gerne wieder hier drunter ab 🙂

Moldawien Teil 5: Landluft

Karte von Ştefan Vodă (Quelle: Wikipedia)

Seit vorgestern bin ich mit einer Mitarbeiterin ja, wie ich bereits geschrieben habe, auf dem Land unterwegs. Wir haben im Bezirk “Stefan Voda” im Osten des Landes ca. 10 Familien besucht, die ein oder mehrere Kinder haben, die im Sponsoringprogramm von Hoffnungsträger Ost sind.

Der Bezirk ist der östlichste Bezirk des Landes (abgesehen von Transnistrien, was de-facto ein eigenständiger Staat ist) und grenzt direkt an die Ukraine. Wo ich gerade bin, kann ich schon in die Ukraine schauen, denn der Grezfluss fließt hier nur wenige Meter von dem Haus in dem ich mich aufhalte.

Die Fahrt von Chişinău hat fast 3 Stunden gedauert, obwohl die Strecke gerade einmal 110km lang ist. Der Bus war ein altes Sowiet-Modell, an der Frontblende stand noch irgendwas von wegen Gepäck auf Russisch. Da wir zu spät zum Busbahnhof kamen, sind wir in den Bus eingestiegen, als er eigentlich schon unterwegs war, zum Glück fuhr er in die Richtung, aus der wir kamen 😀

Der Sowietische Bus innen

Der Bus war, anders als der Bus aus Deutschland, nicht klimatisiert, aber dafür waren die die Fenster zweigeteilt und der (kleinere) obere Teil konnte geöffnet werden. Im Bus selber roch es ein wenig nach Staub und Schweiß, aber lange nicht so schlimm, wie ich es erwartet habe und auch nicht so schlimm, wie ich es aus China gewohnt bin.

Mit Liuda im Bus

Während der Fahrt habe ich Rumänisch geübt und Liudmila, oder kurz Liuda, hat mir geholfen meine Aussprache zu perfektionieren. Weit über floskeln geht es noch nicht hinaus, aber es fühlt sich gut an, in einem Gespräch am Esstisch zumindest ein paar Worte zu verstehen.

Das Dorf, in das wir zuerst gegangen sind heißt Antoneşti. Bei Familie Midrigan haben wir unseren ersten Aufenthalt. Die Familie hat (nur) 2 Kinder, Ioan (16) und Olga (13 oder 14). Ihr Hof besteht aus 2 Gebäuden, einem mit dem Schlafräumen und der Winterküche, und einem mit der Sommerküche und einem “Gästezimmer”, was aber nicht benutzt wurde. Die Aufteilung in Sommer und Winterküche kommt daher, dass man im Sommer (wo man ja nicht heizen muss) weiter weg von den Stuben kochen kann, damit die nicht so schnell anfangen zu stinken. Geheizt kann nur die Winterküche, das Elternschlafzimmer und das Zimmer des Jungen werden. Alle anderen Räume bleiben kalt!

Auf dem Hof haben sie etwas Gemüse und Obst und eine ganze Menge Tiere. Ziemlich viele Enten, ich schätze mal so 30 Ausgewachsene, und 40-50 Küken bzw. Jungenten(oder wie man das nennt). Dazu noch 2 Hunde, 3 Katzen, 3 Schweine, 20 Hühner und etwa 30 Hühner, die anders aussehen als unsere Hühner. Dort auf dem Land leben die Leute noch von der kleinen Landwirtschaft, man baut in erster Linie für sich an und verkauft was übrig ist dann auf dem Markt. Das reiht leider oft nicht, um die Kosten für den Schulbesuch (Hefte, Stifte, Kleidung, evtl. Bus) oder auch Heizung und Strom zu bezahlen. Daher gibt es auch das Sponsoringprogramm. Die Leute leben recht einfach und sind zufrieden. Mich hat beeindruckt, wie lebenslustig sie waren und mir hat auch gefallen, dass die ganze Familie den Tag über zusammen ist (wenn Ferien sind und die Kinder nicht in die Schule gehen). So kam der Vater oft zwischendurch rein und hat nochmal einen Happen gegessen und mit den Kindern gespaßt. Der war sowieso ein Spaßvogel!

Moldawische Tafel

Die Gastfreundschaft, für die die Menschen im Osten bekannt sind, habe ich hier so richtig zu spüren bekommen. Nach der Ankunft wurde der Tisch gedeckt, und obwohl es 4 Uhr nachmittag war, wurde so richtig gegessen. Das Essen war lecker, es gab sogar eine besonderes Essen, Hochzeits-Plăcintă (Deutsch: Pfannkuchen). Die schmecken genauso, wie normale Plăcintă, machen aber mehr Arbeit. Es war also eine besondere Ehre, diese besonderen Pfannkuchen zu essen. Pfannkuchen sind hier übrigens mit Käse gefüllt, der ein kleines bisschen säuerlich schmeckt, und man isst es entweder einfach so, oder am besten mit Honig. Das fand ich am Anfang auch komisch, aber schmecken tut es echt super!

Nach dem Essen sind wir zu einem See baden gegangen, als ich dort war habe ich gemerkt, dass die anderen sich dort “waschen”, was daran liegen könnte, das sie kein fließendes Wasser und auch kein Badezimmer zuhause haben. Es gibt nur einen Brunnen und ein Plumpsklo.

Plumsklo

Im See waren noch ein paar Jungs, vielleicht 8 oder 9 Jahre alt, die sind dann später mit dem Moped weggefahren. Das fand ich echt krass, aber habe ich später noch öfter gesehen.

Vier 9-jährige auf einem Moped

Nach dem Baden sind wir bald losgezogen und haben die Familien besucht, die im Sponsoringprogramm sind und im Ort wohnen. 6 Familien haben wir an dem Abend noch abgeklappert, die größte hatte 7 Kinder, die kleinste nur 1 Kind, war aber dafür alleinerziehen, was in diesem Land nicht nur ein finanzielles Problem, sondern auch eine kulturelle Schande ist.

Im Dorf steht eine riesige Baptistengemeinde, die das größte Haus im Ort ist. Alle, die im Sponsoringprogramm sind, gehen in die Gemeinde vor Ort. Ob das eine Voraussetzung ist oder so, habe ich nicht herausfinden können.

Baptistengemeinde

Der Junge (Ioan) räumte für die Zeit sein Zimmer für mich, obwohl in dem breiten Bett locker 2 Personen hätten schlafen können, aber die Häuser sind alle so ausgestattet, dass jedes, ja wirklich jedes Sofa ausgeklappt werden kann um darauf zu schlafen.

Am nächsten morgen sind wir dann gleich weitergezogen und haben Familien besucht, die nicht im Dorf wohnen. Dazu hat uns der Vater der Gastfamilie mit dem Auto gefahren. Er hat einen ca. 20 Jahre alten Ford mit einem Riss in der Scheibe, aber sonst fährt er noch gut 🙂 Leider gibt es im gesamten Ort keine einzige geteerte oder gepflasterte Straße, so kommt man recht langsam voran. So haben wir an diesem Tag nur 5 Familien besucht, was aber auch daran lag, dass wir in einer Familie zum Mittagessen eingeladen wurden. Das war die “traditionellste” Familie, in der ich bisher war, die Kinder hatten alle ihre Sonntagskleider für die Besucher angezogen, und während dem Essen waren die Kinder nicht dabei und die Frau kam auch erst recht spät dazu, denn sie war in der Küche. Das ganze hat vermutlich nicht nur einen kulturellen, sondern auch einen ganz praktischen Aspekt: Der größte Tisch im Haus ist eigentlich für 4 Personen. Wir haben daran mit 6 Personen gegessen, wenn jetzt noch die 4 Kinder dabei gewesen wären, wäre das eine logistische Unmöglichkeit geworden.

Das nächste Essen!

Die Familie hat mir dann noch eine Flasche mit Honig geschenkt, den sie selber gemacht haben. Ich schäme mich, wenn ich hier bin schon für die quasi nicht vorhandene Gastfreundschaft in Deutschland. Wir haben so viel und geben doch nichts ab (oder nicht viel)…

Am Abend habe ich dann mal wieder die Möglichkeit gehabt, länger mit Sarah zu skypen (jede Familie hat hier DSL-Internet und einen Computer!), das hat gut getan. Es tut mir sehr gut, mich mit ihr auszutauschen und mit ihr zusammen zu beten, so muss ich persönliche Sachen jetzt nicht für die gesamte Zeit in mich hineinfressen!

Heute morgen (also Samstag) haben wir alle lange geschlafen, das war lustig, ich habe mit niemandem gestern drueber gesprochen und als ich dann um 9 Uhr aufstand, war noch alles am schlafen. Dann bin ich eben auch wieder ins Bett. Um 11 Uhr sind dann alle aus Ihren Löchern gekrochen gekommen und wir haben sozusagen gebruncht. Es gab wieder Placinta, dazu Kartoffeln mit Hünchen – das was es hier eigentlich immer gab. Und zum ersten Mal habe ich um einen Kaffee gebeten und auch einen (zwar Instant) bekommen. Das hat irgendwie gut getan.

Das Auto mit den Kindern hinten drin.

Um 1 Uhr sind wir dann vom Haus der Familie zum Supermarkt im Dorf gegangen, weil es geregnet hat konnte uns der Vater nicht fahren – die Straße ist dann zu matschig. Aber vor dem Supermarkt ist die Straße aus kleinen Steinen, und so hat uns dann ein Mann denn Liuda kennt ins nächste Dorf gefahren, das heißt Ulaneşti. Mit seinem 20 Jahre alten Ford, dessen Scheibe auch einen Sprung hat und an dem das Zündschloss mit einem Schraubenzieher betätigt wird. Auf der Rückbank hatte er 3 seiner Kinder dabei, einer saß im Kofferaum um ihn zu öffnen, denn das Schloß funktioniert von außen auch nicht mehr.

Hier in Ulaneşti  sind wir jetzt beim Bruder von Liuda. Ihre Nichte hat heute Graduation von der High School im Ort. Da sie auch eine Dusche haben, habe ich sie gleich mal benutzt und gleich geht es los – in die Schule. Ich bin mal gespannt, wie so etwas hier abläuft. Morgen fahren wir vermutlich schon wieder zurück nach Chişinau, aber wie eigentlich alles hier, ist das auch nicht sicher.

Bis demnächst!

Moldawien Teil 4: Unterwegs

Tag 07: 05.07.2010 – Unterwegs in Chisinau

Montag vormittag habe ich nach der Andacht erst ein wenig gelesen, dann mit Irina noch 3 Briefe übersetzt und dann mit einem Jungen, der über eines der Kidscamps vor ein paar Jahren zum Glauben und zur Gemeinde gekommen ist, in der Gemeinde geholfen, ein paar kleinigkeiten im Gemeindehaus zu machen. Wir haben im Keller den Raum der später mal die Toilette werden soll ausgeräumt, die Sachen etwas sortiert (das System habe ich allerdings nicht verstanden) und wieder eingeräumt.

Das hat den Vormittag schon ganz gut ausgefüllt, bis das Essen fertig war haben wir dann noch etwas Volleyball im Garten gespielt. Weil es vorher geregnet hat war das eine ganzschöne Sauerei, aber es gibt wirklich schlimmeres ;).

Zum Mittagessen gab es etwas ähnliches wie Bratkartoffeln, nur dass darüber noch ein paar Eier geschlagen wurden. Als Beilage wurde – wie eigentlich auch bei jeder Mahlzeit – Gurken und Tomaten gereicht. Das ist ein sehr einfaches, sehr sattmachendes und zugleich sehr leckeres essen! Als Nachtisch gab es dann sowas wie Gebäckteilchen, gefüllt mit etwas fruchtigem, recht süß und recht trocken, aber es war eine der ersten Trockengebäcke, die mir hier geschmeckt haben. Entweder passt sich mein Geschmack an, oder ich habe etwas gefunden 😉

Nach dem Mittagessen bin ich dann ein wenig in der Gegend der Gemeinde herumgelaufen, war in ein paar Geschäften und habe auch einen kleinen Markt gefunden. Das hat mir dort sehr gefallen, schade nur, dass sie um 16.00 Uhr schon zugemacht haben und als ich kam gerade alles eingepackt haben. Ich habe dann in einem anderen kleinen Markt zwei Schreibhefte gekauft, die ich als Vokabelhefte benutzen werde: Eines für Russisch und eines für Rumänisch. Mit Russisch habe ich abends dann auch gleich angefangen und habe fast 2 Seiten mit Wörtern vollgeschrieben, die ich theoretisch schon gelernt habe. So kann ich sie jederzeit wiederholen. Ich bin noch gespannt darauf, ob ich, wenn ich dann auch mit Rumänisch anfange, alles durcheinanderwerfe oder ob ich das hinbekomme.

In einem Supermarkt habe ich dann noch 2 Entdeckungen gemacht: 1. Es gibt hier Tiefkühlware lose. Das finde ich krass. Aber eigentlich warum nicht. Jeder nimmt sich soviel er braucht. und 2. Sehr viele Produkte, die es hier gibt, sind aus Deutschland, Russland, Türkei oder sonstwo. Made im Moldova gibt es fast nur frische Lebensmittel und Getränke. Sogar die Schreibhefte, die ich gekauft habe kommen aus Russland. Schade eigentlich für die Moldawische Wirtschaft, mit einem Aussenhandelsdefizit ist es wirklich schwierig.

In einem Buchladen habe ich dann ein Buch entdeckt “Learn Romanian”, leider hatten sie nicht so eines für Russisch, dann hätte ich es gekauft. Und trotzdem war das das erste Buch dieser Art, was ich gesehen habe. Ich werde also in Zukunft in jedem Buchladen sehen, vielleicht finde ich ja am Ende noch eines. Was ich dann aber gekauft habe ist eine Karte von Moldawien. So kann ich mir ein wenig Überblick verschaffen.
Abends war ich sehr müde und bin schon gegen 9 ins Bett gegangen. Das tat sehr gut 🙂

Meine Gastmutter Lydia brachte mir dann noch ein paar Pflaumen aus dem Garten, das war sehr nett!

Tag 8: 06.07.2010 – Unterwegs in der naehe von Chisinau

Heute bin ich mit Nikolaj und Irina morgens erst ein wenig in der Stadt herumgefahren. Irina hatte einen Termin, scheinbar war nicht ganz klar, wo. Cool war, dass ich so ein paar andere Teile des Ortes gesehen habe, die mir vorher noch nicht zu Gesicht gekommen sind.

Im Büro hat mir Liuda dann gezeigt, wo ich mit ihr am Donnerstag hinfahren werde – auf der tollen Karte natürlich. Der Ort ist direkt neben Olanesti im Südosten des Landes. Die Grenze zur Republik Transnistrien und zur Ukraine ist nicht weit. Ich bin sehr gespannt auf die Zeit dort. Auf dem Land wird wohl (immernoch) überwiegend Rumänisch gesprochen, Russisch hat sich dort scheinbar in fast 50 Jahren Sovietunion nicht durchsetzen können.

Nurdachhütten auf dem Camp

Am vormittag bin ich dann mit Natascha in ein Jugendlager in der naehe von Chisinau gefahren. Dort waren die Jugendlichen von nur einer Gemeinde, und doch waren es ueber 100. Das Camp erinnerte mich ein wenig an das CVJM-Camp in Michelstadt, wo ich schon ein paar Mal auf Freizeit war, aber es sah doch mehr nach “Sozialismus” aus, irgendwie dachte ich an ein FDJ-Camp, obwohl ich noch nie so eines gesehen habe. Und tatsaechlich, ein Mitarbeiter erklaerte mir, dass es von den Sozialisten fuer die Jugend gebaut wurde. Dort auf dem Campground habe ich dann mich ein wenig umgesehen und die Leute beobachtet. Sogar ein bisschen Volleyball habe ich mitgespielt, allerdings mit mäßigem Erfolg.

Nach dem Abendessen war dann Abendprogramm auf einer kleinen Freilichtbühne. Mit 100 Jugendlichen wurde am Anfang gesungen (ein Lied war die rumänische Version von “Create in me a clean heart”, das war cool mitsingen zu können!). Dann sang ein Männerquartett einige Lieder (sehr beedindruckend die Knaben!) und es wurden ein paar kurze Andachten gehalten.

Freilichtbühne

Was mir gut getan hat, war dass ich einiges verstanden habe, ohne dass ich viel Rumänsich gelernt habe. Aber weil es eine Latinische Sprache ist haben mir meine (wenn auch beschränkten) Vorkenntnisse in Latein, Italienisch und Französisch manches Wort verständlich gemacht.

Auf der Rückfahrt habe ich mich mit einem Missionar, der aus Rumänien stammt, jetzt aber in USA wohnt unterhalten. Er hat mich als erster hier Überhaupt auf meine Frisur und meinen Bart angesprochen und hat mit mir darüber geredet, dass in Moldawien ganz wichtig wäre sich zu Akkulturieren, wenn man hier ernsthaft Mission betreiben möchte, weil man sonst nicht ernst genommen wird. Aber für ein Praktikum wäre das in Ordnung. (Was ich mir gedacht habe: “Na, dann werden Sie mich zumindest nicht so schnell dazu zwingen hier zu predigen!” 🙂 )

P.S. Die Bilder von Sonntag sind jetzt auch online!

P.P.S. Heute (also Mittwoch) abend werde ich mit der Jugendgruppe (von Sonntag) einen Filmabend/Filmnacht machen. Und morgen (Donnerstag) fahre ich bis Sonntag mit Лиуда (Liuda) eben in die Nähe des Ortes Olanesti und werde unterwegs vermutlich kein Internet haben und dann auch nicht schreiben. Eine gute Zeit bis dahin!

Moldawien Teil 3: Der erste Sonntag

Tag 6: 04.07.2010 — Jetzt mit Bildern!

Die Buehne mit dem Chor

Dieser Sonntag war fuer mich der erste Sonntag in Moldawien. Ich habe morgens den Fruehgottesdienst in der Gemeinde besucht, weil Abendmahl war sollte ich eine lange Hose anziehen. Das fand ich eine interessante Begruendung. Der Gottesdienst an sich hat etwas mehr als 2 Stunden gedauert, wenn man bedenkt, dass 3 Maenner gepredigt haben, ist das aber noch recht harmlos, finde ich.

Das Abendmahl fand direkt im Anschluss an den Gottesdienst (ganz ohne Unterbrechung) statt. Irina hat fuer mich freundlicherweise einige Dinge uebersetzt, so konnte ich die Einestzung des Abendmahls verstehen. Wichtig ist mir dabei geworden, dass das Abendmahl keine magische Wirkung hat, wie Pastor Plucci das auch betont hat. Komisch fand ich die starke Betonung, dass nur “Mitglieder der Gemeinde” am Abendmahl teilnehmen sollten (ich aber dann doch mitmachen durfte), weil ich inzwischen der Meinung bin, dass (anders als nach katholischer Ueberzeugung, die interessanterweise auch in evangelikalen Kreisen vorherrscht) ein Unglaeubiger sich nicht versuendigt, wenn er das Mahl einnimmt.

Die eine haelfte des Gottesdienstraumes

Nach dem Gottesdienst gab es dann leckeres Essen bei Mama Plucci, sie hat Kartoffeln (die hier offensichtlich zu den Grundnahrungsmitteln gehoeren) und Haenchenschenkel gekocht. Zum Nachtisch gab es eine Torte, die uebersetzt “gestapelte Baumstaemme” heisst, weil sie aus vielen langen, mit Kirschen gefuellten Teigrollen besteht, die erst einzeln gebacken und dann mit einer Buttercreme zu einem Haufen zusammengeklebt werden. Sehr lecker!

Waehrend dem Nachmittag habe ich dann den Rechner der Familie, den ich meistens nutze ein kleines wenig optimiert und aufgeraeumt, ein P4 1,5GhZ mit nur 384MB RAM muss resorcenschonend genutzt werden. Nach dem ich 20 Dienste deaktiviert, 5 Autostartprogramme gekillt und den doppelten Virenscanner deinstalliert habe laeuft er ziemlich performant, zumindest wenn man K-Meleon als Browser benutzt, statt Firefox.

Um kurz vor 5 sind wir dann in die Gemeinde wieder aufgebrochen und haben den Abendgottesdienst besucht. Der war wesentlich kuerzer und hatte wesentlich mehr Aehnlichkeiten mit der Bibelstunde als mit dem Morgengottesdienst. Jeder konnte mitteilen, was er in der Woche gelesen oder mit Gott erlebt hat und die Lieder wurden auf zuruf ausgesucht. Das erklaert auch, dass vermutlich 80% der Anwesenden auch schon morgens da gewesen sind.

Radu und Ich

Nach dem Gottesdienst habe ich mich mit Radu unterhalten, soweit das moeglich war, doch mithilfe des kleines en Konversationsbuechlein konnten wir ein wenig Austausch haben. Mit den Teens und Jugendlichen der Gemeinde (Definition Teens/Jugend ist hier wesentlich fliessender und beginnt auch schon frueher, ein Maedchen, dass dabei war war vermutlich erst 8 oder 9) sind wir dann in einen Park in der Stadt gegangen und haben lustige Bilder gemacht. Auf dem Weg dorthin habe ich mich gut mit verschiedenen von den Jugendlichen unterhalten, da koennen schon ein paar ganz passabel Englisch, leider zu wenige. Aber sie haben es auch versucht mir ein wenig mehr Russisch beizubringen, das hat auf jeden Fall Spass gemacht. Von Radu habe ich erfahren, dass er aus Bulgarien kommt und jetzt, wo er sein Studium hier abgeschlossen hat auch gerne auf eine Bibelschule gehen moechte und noch am ueberlegen ist, ob er hier in Chisinau oder daheim in Bulgarien gehen soll.

Abends, es war inzwischen schon halb 11, waren wir wieder “daheim” und es gab zum Glueck etwas zu Essen, ich hatte naemlich richtig Kohldampf! Mit Irina habe ich mich dann noch gut Unterhalten, ueber Unterschiede der Jugend in Deutschland und in Moldawien, ueber die Wirtschaft hier vor Ort und Nationalstolz.

Als ich muede ins Bett fiel, fingen die Hunde freundlicherweise noch mit einem Bellkonzert an 😉 aber ich konnte trotzdem gut schlafen!