Category Archives: On my mind

Laden-Check: “Das Lädchen” in Bergneustadt

Zum zweiten Mal war ich heute im Second-Hand-Kleidungsgeschäft “Das Lädchen” in Bergneustadt. Ich bin von dem Laden begeistert und möchte euch darum ein paar Infos dazu geben.

Aber zuerst: Second Hand ist nicht nur für “arme Leute”! Second Hand ist etwas für jeden. Mit der Wiederverwendung von Kleidung:

  • vermeiden wir Abfälle
  • zerstören weniger die Märkte in den Schwellenländern (wo gebrauchte Kleidung sonst landen würde),
  • und werfen unser Geld nicht den großen Kleiderkonzernen (die fast alle unter menschenunwürdigen Bedingungen produzieren lassen) in den Rachen.
  • Und natürlich spart man dadurch Geld.

Nun zum Laden: Er wird vom Verein für Soziale Aufgaben e.V. schon seit fast 30 Jahren in Bergneustadt unterhalten. Im Geschäft gibt es sehr gut erhaltene Kleidung, für Herren, für Damen und für Kinder. Alle Mitarbeiter sind ehrenamtlich engagiert und der komplette Erlös wird an soziale Vereine in Bergneustadt gespendet (letztes Jahr: rund 10.000€). Alles in allem eine Einrichtung, die mit dazu beiträgt, dass Bergneustadt ein besserer Ort wird, und dass das wenige vorhandene Geld nicht abfließt.

Ich habe mir dort bereits ein paar Kleiderstücke gekauft, Hosen gibt es ab 2,50€, Pullover gibt es auch ab 2,50€.

Die Mitarbeiter sind sehr freundlich und es gibt eine kleine Umkleidekabine. Die Auswahl ist unterschiedlich. Viele Sachen sind schon etwas älter, und teilweise auch nicht mehr ganz die neuste Mode, aber auch viele modische Sachen sind dazwischen. Man sollte sich ein wenig Zeit mitnehmen, um gut hinzusehen, wenn man dort einkauft. Auf jeden Fall sind die Sachen alle sauber, frisch gewaschen und in einem sehr guten Zustand.

Früher hat der Laden auch Dritte-Welt-Artikel geführt, da aber die Kundengruppe des Second-Hand-Ladens dafür wenig Faible hatte, ist der Bereich seit dem Umzug 2007 aufgegeben worden.

Also: Neue Hose gefällig? Brauchst du ein neues T-Shirt? Geh’ doch mal in den Second-Hand-Laden und schau dich dort um. Und gut erhaltene Gebrauchte Kleidung, die dir zu groß geworden ist, oder die dir nicht mehr gefällt, kannst du in dem Zuge direkt dort abgeben.

Der Gott des Kapitalismus

Der Gott des Kapitalismus hat unlängst auch in evangelikalen Werken und Gemeinschaften eine immer größer werdende Anhängerschar. Die synkretistische Vereinigung des Christseins und des Kapitalismus wird von Kapitalisten begrüßt und von Christen gar nicht erst als solche gesehen.

So ist die Begründung der Finanziellen Machbarkeit in letzter Zeit immer häufiger die Begründung von Veränderungen in Werken gewesen, als eine Begründung aus dem Glauben an Gott und seinen Geboten, oder gar aus konkreten Aufträgen. So steht als erstes das Geld, und dann hofft man noch Gott ins Boot zu holen.

Oder man beutet mit Produkten, die unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert werden, Personen in genau den Ländern aus, in die man dann noch gnädigerweise ein paar Spenden hinkommen lässt, oder manchmal entsendet man sogar einen Missionar.

Das “Suchet der Stadt bestes” (Jer 29), das oft angeführt wird, interpretieren die meisten als “Suchet der Stadt gutes, was mir persönlich am meisten nützt”. Doch in unserer Globalisierten Welt – die Christen ja zumeist begrüßen und befürworten – muss die Stelle aus Jeremia meiner Ansicht nach mit “Suchet der Welt bestes” übersetzt werden, und dazu gehört dann eben auch, dass man sich Gedanken macht, warum manche Dinge so billig sind, wie sie es eben sind. Warum Kaffee, der ja vollständig von Hand angebaut, gepflückt und getrocknet werden muss billiger ist, als manch maschinell gefertigtes Gut.

Oder auch, woher denn das Geld kommt, mit denen meine 7% Zinsen garantiert für ein Jahr herkommen? Wer muss Geld dafür abgeben, dass ich mehr bekomme – für nichts tun noch dazu? Sind es am Ende doch die, mit wenig Geld? Immerhin ist der Dispokredit einer der teuersten Kreditformen, die es gibt.

Wenn wir Christen wirklich das beste unserer Welt suchen wollen, müssen wir uns aufmachen, und uns hinterfragen, uns überlegen, dass unser Einkauf bei ALDI Auswirkungen auf die Umwelt, Mitwelt und auf die Menschen hat. Und wenn wir uns über Arbeitsbedingungen in den Discountern beschweren, die in den Medien ja neuerdings beanstandet werden, müssen wir daraus Konsequenzen ziehen. Nicht einfach fröhlich weiter dort einkaufen. Sondern Alternativen suchen, die fair sind.

Denn sonst, sind wir nicht anders, als diejenigen, die von Gott durch Amos angeprangert werden:

Hört, ihr Frauen von Samaria, gut genährt und schön wie Baschans Kühe! Ihr unterdrückt die Schwachen und schindet die Armen. Ihr sagt zu euren Männern: »Los, schafft uns zu trinken herbei!« (Amos 4,1; GNB)

Ich will die Armen nicht weiter schinden. Wer macht mit?

Digitale Handarbeit

Ich habe mir gerade den Film “Digital Handcraft – China’s global factory for computers” angesehen und bin ein wenig erstaunt, wie weit bekannt das Problem der unfairen Arbeitsbedingungen in den Niedriglohnländern ist. Eine Zoll-Kontrolle, die in dem Film interviewt wird, weiß genau Bescheid.

Warum tun dann unsere Unternehmen und vor allem die öffentlichen Behörden nichts?

Durch unseren Konsum bestimmen wir die Schicksale anderer Menschen. Und das sollten wir uns bewusst machen. Fangen wir jetzt damit an!

Mehr Infos zu dem Thema bietet diese Organisation:

pcgobal - Für Arbeitsrechte und Umweltgerechtigkeit in der Computerindustrie

P.S. PC Global bietet übrigens einen Fragebogen an, den man beim PC-Kauf durchgehen mit dem Verkäufer durchgehen kann. Die Sache ist vielleicht sogar einfacher, als wir oft denken.

Am Anfang war die Ökologie – Naturverständnis im Alten Testament

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Das Buch “Am Anfang war die Ökologie – Naturverständnis im Alten Testament” von dem Biologen Aloys P. Hüttermann und dem Chemiker Aloys H. Hüttermann befragt die alttestamentlichen Gesetze (u.A. Speisegesetze (S.70), Hygieneregeln (S. 85), Landrecht (S. 60), Zinsverbot (S.116)) nach ihrer biologischen Bedeutung. Das im katholischen HERDER Verlag herausgekommene Buch hat wie erwartet nicht den Anspruch, die theologische Seite der Gebote Gottes mit zu beleuchten, obwohl diese im letzten Abschnitt des Buches auch kurz erwähnt werden (S. 167).

Ich fand das Buch sehr hilfreich, denn es zeigt auf, dass die Gebote Gottes, so unverständlich und entfernt sie für uns post-moderne Christen scheinen mögen, auch heute immernoch eine biologische Relevanz haben. Der Umkehrschluss, dass sie heute damit auch für uns noch eine theologische Relevanz haben, möchte ich gerne ziehen. Wenn diese Regeln sogar menschlich Nachvollziehbar Sinn machen, wie können wir sie dann ablehnen – zumal ja Jesus selbst sagt, dass kein ιοτα vom Gesetz ungültig werden solle (Mt. 5,18)?

Hier noch einige Zitate, die ich interessant und bedenkenswert finde:

“Mit unseren Autos verringern wir die Überlebenschancen kommender Generationen, weil Autos nicht nachhaltig sind. Deshalb dürfen ab jetzt keine Autos mehr fahren.” (S. 120f., als vorgeschlagene Übertragung des spätjüdischen Kleinviehverbots (ab 70 n.Chr.) auf die heutige Zeit)

“Noch weiter: Wenn Gott die Natur erschaffen hat, dann bedeutet Forschung nichts anderes als Gottesdienst. Durch genaue Untersuchung der Funktionsweise der Natur werden Überlegenheit und Macht Gottes gepriesen.” (S. 135)

“Der Ausdruck … bedeutet genauso Herrschaft wie Knechtschaft – wenn er würdig ist, herrst der Mensch über die Vögel und die Tiere, wenn er es nicht wert ist, wird er tiefer sinken als sie, und sie werden über ihn regieren.” (Rabbi Raschi, 12. Jhd zu Gen 1,28; S. 140)

Fazit: sehr empfehlenswerte Sekundarliteratur zum Alten Testament – auch wenn sie nicht in meine evangelikale Prägung hineinpasst kann ich doch einige Ideen mitnehmen.

Von Knochen, Kamelen und einer Großen Leidenschaft

Momentan beschäftigt mich das Buch „Von Knochen, Kamelen und einer großen Leidenschaft“ von Floyd McClung sehr. Er beschreibt darin, wie die frühe Gemeinde ausgesehen haben könnte und was wir von ihr lernen können. Ich bin von den Gedanken des Buches fasziniert und würde sehr gerne einmal eine derartige Gemeinde kennen lernen. Er kritisiert unsere gewöhnliche Gemeindeform, die sich oft als Institution sehen, statt etwas „organisches“ zu sein. Continue reading Von Knochen, Kamelen und einer Großen Leidenschaft

zwei neue Wege

Die Firma Google hat dieses Jahr entschieden, statt den Rasen hinter ihrem großen Gelände mähen zu lassen um Brände zu verhindern, einfach eine Herde von Ziegen zu mieten, die innerhalb einer Woche den Rasen herunterfressen: Es sei genauso billig, aber viel süßer anzusehen. [1]

Und eine Kirche in Michigan (USA) hat eine 14-tägige Schulung für ihre 900 Mitglieder durchgeführt und ihnen beigebracht, wie man Twitter benutzt. Etwa 150 Mitglieder zwitschern seitdem, speziell auch während den Gottesdiensten, damit ihre Freunde daheim auch mitbekommen, was so in der Kirche läuft. [2]

[1] http://googleblog.blogspot.com/2009/05/mowing-with-goats.html
[2] http://www.telegraph.co.uk/scienceandtechnology/technology/twitter/5274071/US-churches-use-Twitter-to-reach-a-wider-audience.html

Am Ostermorgen

von Friedrich Rückert

Am Ostermorgen schwang die Lerche
sich auf aus irdischem Gebiet
und, schwebend überm stillen Pferche
der Hirten, sang sie dieses Lied:
Erwacht! Die Nacht entflieht.
Das Licht zerbricht
die Macht der Nacht;
erwacht ihr Lämmer all, erwacht,
auf feuchtem Rasen kniet!

Es ward von einem Osterlamme
getan für alle Welt genug,
das blutend an dem Kreuzesstamme
die Schuld der ganzen Herde trug.
Des Sieges Stunde schlug!
Das Grab, es gab
den Raub vom Staub
zurück; nun weidet grünes Laub,
ihr Lämmer fromm und klug!

Der Baum des Lebens, fluchbeladen,
stand abgestorben, dürr und tot.
Des Lammes Blut ihn mußte baden;
nun wird es blühend rosenrot.
Gewendet ist die Not!
O seht, her geht
der Hirt, der wird
die Herde weiden unverirrt
im neuen Morgenrot.

Frohe Ostern!

Danke an Rolf Wiesenhütter, dafür dass er mir dieses Gedicht geschickt hat.

China: Bevölkerung wird weiter massiv unterdrückt : Pastor verhaftet und in Tibet fallen Schüsse

Auch fünf Monate nach den ersten Protesten in Tibet lässt die Überwachung der tibetischen Bevölkerung nicht nach, sondern wird fortwährend ausgebaut. Permanente und allgegenwärtige Militärpatrouillen und Ausweiskontrollen, tausende Überwachungskameras und versteckte Mikrophone auf den Straßen und an Orten des öffentlichen Lebens, sowie unzählige zivile Spitzel versetzen die tibetische Bevölkerung in einen Zustand des Schreckens.Zwei junge Tibeterinnen wurden am 9. August von chinesischen Soldaten aus noch unbekannten Gründen angeschossen, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).

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Das Verhältnis von Staat und Kirche in der Volksrepublik China

Geschichte und Situation heute
Ein Paper für den Religionsunterricht – Patrick Brückner im April 2007

Die Situation der Christen in China ist vielen Menschen nicht bekannt. China kennen die Meisten nur aus dem Fernsehen, von günstigen Waren aus dem Supermarkt und vielleicht noch durch die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Dass in China Menschenrechte unterdrückt werden hat auch schon der ein oder andere gehört. Wie konkret dass allerdings aussieht und wie in China die Religionsfreiheit eingeschränkt und bei Verstößen mit der Todesstrafe bestraft werden kann, ist nur den wenigsten bekannt. Aus diesem Grund veröffentliche ich hier dieses Thesenpapier, dass ich im April 2007 für den Religionsunterricht angefertigt habe.

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