Der Gott des Kapitalismus

Der Gott des Kapitalismus hat unlängst auch in evangelikalen Werken und Gemeinschaften eine immer größer werdende Anhängerschar. Die synkretistische Vereinigung des Christseins und des Kapitalismus wird von Kapitalisten begrüßt und von Christen gar nicht erst als solche gesehen.

So ist die Begründung der Finanziellen Machbarkeit in letzter Zeit immer häufiger die Begründung von Veränderungen in Werken gewesen, als eine Begründung aus dem Glauben an Gott und seinen Geboten, oder gar aus konkreten Aufträgen. So steht als erstes das Geld, und dann hofft man noch Gott ins Boot zu holen.

Oder man beutet mit Produkten, die unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert werden, Personen in genau den Ländern aus, in die man dann noch gnädigerweise ein paar Spenden hinkommen lässt, oder manchmal entsendet man sogar einen Missionar.

Das “Suchet der Stadt bestes” (Jer 29), das oft angeführt wird, interpretieren die meisten als “Suchet der Stadt gutes, was mir persönlich am meisten nützt”. Doch in unserer Globalisierten Welt – die Christen ja zumeist begrüßen und befürworten – muss die Stelle aus Jeremia meiner Ansicht nach mit “Suchet der Welt bestes” übersetzt werden, und dazu gehört dann eben auch, dass man sich Gedanken macht, warum manche Dinge so billig sind, wie sie es eben sind. Warum Kaffee, der ja vollständig von Hand angebaut, gepflückt und getrocknet werden muss billiger ist, als manch maschinell gefertigtes Gut.

Oder auch, woher denn das Geld kommt, mit denen meine 7% Zinsen garantiert für ein Jahr herkommen? Wer muss Geld dafür abgeben, dass ich mehr bekomme – für nichts tun noch dazu? Sind es am Ende doch die, mit wenig Geld? Immerhin ist der Dispokredit einer der teuersten Kreditformen, die es gibt.

Wenn wir Christen wirklich das beste unserer Welt suchen wollen, müssen wir uns aufmachen, und uns hinterfragen, uns überlegen, dass unser Einkauf bei ALDI Auswirkungen auf die Umwelt, Mitwelt und auf die Menschen hat. Und wenn wir uns über Arbeitsbedingungen in den Discountern beschweren, die in den Medien ja neuerdings beanstandet werden, müssen wir daraus Konsequenzen ziehen. Nicht einfach fröhlich weiter dort einkaufen. Sondern Alternativen suchen, die fair sind.

Denn sonst, sind wir nicht anders, als diejenigen, die von Gott durch Amos angeprangert werden:

Hört, ihr Frauen von Samaria, gut genährt und schön wie Baschans Kühe! Ihr unterdrückt die Schwachen und schindet die Armen. Ihr sagt zu euren Männern: »Los, schafft uns zu trinken herbei!« (Amos 4,1; GNB)

Ich will die Armen nicht weiter schinden. Wer macht mit?