Moldawien Teil 2: Ankunft

heute bringe ich auch auf den letzten Stand, da wo ich jetzt auch gerade bin! 3 Tage auf einmal sind viel, aber ihr schafft das 🙂 sind auch 5 Bilder dabei 😉

Tag 3: 01.07.2010 — Ankommen

Das Haus, in dem ich untergebracht bin
Nach der Grenze änderte sich die Straße für ein kurzes Stück: Sie war neu geteert und so breit, dass 2 Autos nebeneinander schnell fahren konnten. Die folgenden zwei Stunden habe ich dann doch – zwar recht schlecht aber überhaupt – geschlafen, bis wir kurz vor Chisinau waren.

Leider musste ich feststellen, dass ich mit meinem Mobiltelefon hier nicht telefonieren kann, aber SMS funktioniert. Das Mädchen und die Familie sind sehr bald ausgestiegen, nachdem die eine der beiden Frauen ausgestiegen waren und der Fahrer von der anderen erfahren hatte, dass sie auch nur in die Stadtmitte will, meinte der Fahrer, er schmeißt mich jetzt hier raus. Zum Glück durfte ich mit seinem Handy dann bei Irina Plucci anrufen, der er auch erklärt hat, wo ich war und dann haben die mich abgeholt. Die erste Begegnung war relativ kühl, Irina und ihr Vater (Nicolai) waren aber auch sehr müde, sie sind erst vom Anruf des Fahrers aufgewacht.
Nachdem ich mein Zimmer gezeigt bekommen habe (ja ich habe ein “eigenes” Zimmer) bin ich ziemlich schnell eingeschlafen und habe dann bis ca. 1 Uhr geschlafen. Nach dem aufstehen habe ich geduscht, was nach 2 Tagen Busfahrt zum einen nötig und zum anderen sehr wohltuend war.
Lydia hatte etwas zum Mittag vorbereitet und so habe ich mit der Familie gegessen. Beim Beten steht man hier auf, statt die Hände zu falten, das ist für mich erstmal sehr ungewohnt. In der Gastfamilie spricht die Tochter Irina so gut wie fließend Deutsch, da sie ein Au-Pair Jahr in Deutschland und im Rahmen ihres Studiums ein Praktikum gemacht hat, die Mutter Lydia etwas Englisch und Nikolai nur sehr wenige Worte Deutsch und Russisch (oder er versteckt es gut…). Jedenfalls ist die Sprache, die in der Familie und der Gemeinde gesprochen wird Russisch und nicht Rumänisch, auch wenn Rumänisch die offizielle Amtssprache ist, wird 20 Jahre nach der Unabhängigkeit und einführung des Rumänischen als Amtssprache noch von den meisten Russisch gesprochen. Gut dass ich im Vorfeld nicht ganz so viel Rumänisch gelernt habe, wie ich eigentlich vor hatte! Während dem Essen haben wir uns also etwas vorgestellt und erzählt, Irina hat für mich übersetzt.

Das Gemeindehaus (Büro im 1. OG)

Am Nachmittag bin ich dann mit ins Büro im Gemeindehaus gefahren. Von dort wird die Arbeit der Mission und der Gemeinde organisiert. Ich habe erstmal nur zugesehen, wie Irina Fotos von einer (missionarischen) Kinderwoche aussortiert hat, die am Sonntag im Gottesdienst gezeigt werden sollen. Das hat mir direkt einen kleinen Einblick in die Gemeindearbeit gegeben.

Abends war dann die Bibelstunde in der Gemeinde. So habe ich in der Gemeinde schonmal ein paar Leute kennen gelernt und den Charakter der Veranstaltungen. Die Lieder waren leider alle auf Russisch (naja wahrscheinlich ist das sogar sinnvoll…) und keines, von den Liedern, die wir gesungen haben, kannte ich von der Melodie her. Von der Bibelarbeit über Matthäus 6 habe ich auch nicht viel verstanden. Schön zu sehen war, dass der Leiter des Abends selber “nur” in T-Shirt und Jeans bekleidet war, insgesamt sind die Menschen weniger förmlich, als ich es befürchtet habe. Bisher hat sich hier auch noch niemand über meine Frisur oder Bart beklagt.

Tag 4: 02.07.2010 — Arbeiten

Heute war der erste und gleichzeitig auch letzte “normale” Tag für diese Woche. Um 9.00 Uhr war Mitarbeiterandacht in der Gemeinde und dann war ich bis um 17.00 Uhr in der Gemeinde. Es gab nicht viel für mich zu tun, so habe ich vormittags viel gelesen und in mein Rumänisch-Buch nochmal reingeschaut (auf den Dörfern, in die wir fahren, wird hauptsächlich Rumänsich gesprochen).

Nach dem Mittagessen (es gab макарони – ausgesprochen Makkaroni, übersetzt einfach nur Nudeln) habe ich dann meinen ersten “Job” gehabt: Irina hat die Briefe der Kinder, die Deutsche Pateneltern haben übersetzt, mir diktiert und während ich sie geschrieben habe habe ich sie auch noch korrigiert. Das hat Spaß gemacht und ging echt flott. Irina meinte, sie bräuchte sonst oft 30 Minuten pro Brief, gemeinsam haben wir in 2 Stunden 20 Briefe übersetzt und sogar noch korrigiert. Dabei habe ich auch das lesen der Kyrillischen Schrift geübt, weil ich den Namen der Kinder immer versucht habe zu lesen 🙂

Abends konnte ich dann lange mit Sarah skypen, das war sehr schön, von ihr zu hören wie es ihr geht und ihr zu erzählen, was hier so los ist.

Tag 5: 03.07.2010 — Frei

Samstags ist der freie Tag. So habe ich heute bis um halb 10 geschlafen, gemütlich gefrühstückt, gelesen und mich entspannt. Kurz nach 12 bin ich dann mit Irina in die Stadt gefahren. Dort haben wir auch Vadim getroffen, er ist ein Junge, der sich vor ein paar Jahren auf einer der Kinderwochen für Jesus entschieden hat und inzwischen ein Mitarbeiter in der Kinderarbeit.

Einer von den beiden war früher mal der König...

Zu dritt sind wir also durch die Innenstadt von Chisinau geschlendert, haben den Stadtpark angeschaut, in dem die Statue des Königs von 1500 steht, sind ein wenig durch die Straßen gelaufen.

Ich wollte mir noch ein Russisch-Buch kaufen, aber hier in der Stadt sind so wenige Ausländer, dass die Buchläden nur Bücher führen, wie man Deutsch, Englisch, Italienisch oder sonstwas lernt, aber nichts über Rumänisch oder Russich. Ich habe dann doch etwas gefunden, was mir helfen kann: Ein Phrasenbuch. Es enthält 300 Sätze für gewöhnliche Situationen. Und der Clou ist: Alles ist dreisprachig: Rumänisch-Englisch-Russisch. Eigentlich ist es für Rumänisch-sprechende Menschen gedacht, aber da alles (sogar Inhaltsverzeichnis) auch auf Englisch vorhanden ist, kann ich damit sowohl Russisch als auch Rumänisch lernen. 🙂

Danach waren wir an einem Kriegerdenkmal, das so groß ist, dass es mich erschrocken hat. Denkmal ist eigentlich übertrieben, es ist ein Park, mit 30 Denkmälern. Im hinteren Teil befindet sich auch noch gleich der Friedhof der gefallenen Soldaten.

Das zentrale Monument des Gedenkparks mit einer ewigen Flamme in der Mitte

Das Nationalgefühl ist hier wesentlich stärker ausgeprägt, als in Deutschland (naja jedenfalls ausserhalb der WM). Die Denkmalstätte erinnerte an die Helden der Sovietunion, an die Gefallenen des 2. Weltkriegs und an die Gefallenen des Transnistrischen Kriegs. Jeder einzelne Name war aufgeführt, und – zahlenmäßig – waren das absolut nicht viele. In manchen Dörfern in Deutschland sind auf dem Kriegerdenkmal mehr Namen, als an dieser Gedenkstätte, und sie war größer als der Stadpark! Aber wahrscheinlich bin ich da einfach zu Deutsch. Wenn es bei uns sowas gäbe, würde ich protestieren, vielleicht erscheint es mir deswegen hier auch komisch.

Um 4 Uhr haben wir dann in einem Restaurant gegessen. Dort gab es sowas ähnliches wie gefüllte Pfannkuchen (süß oder salzig). Ich habe einen mit Kartoffeln, Pilzen, Hänchen und Käse gegessen. Hat sehr lecker geschmeckt. Und dazu habe ich auch etwas typisches getrunken, leider habe ich den Namen vergessen, auf jeden Fall schmeckt es so ähnlich wie Malzbier oder Rootbeer(USA).

Moldawische Busse

Die Fahrten hin und zurück haben wir mit dem Bus bestritten, kostet fast nichts, und erinnert mich sehr an China. Es gibt Mini-Busse, die hier Maschrutka heißen, die man einfach überall anhalten kann, die schneller sind und 3 Lei kosten (0,20€) und Elektrobusse, die alt, klapprig und rot-beige gestreift sind und 2 Lei kosten (0,15€). Es gibt hier zwar anders als in China Fahrpläne, aber anders als in Deutschland interessiert die weder die Busse, noch die Fahrgäste. Man stellt sich einfach an die Straße und wartet.

Zum Abendessen gab es dann Pilimeni (sowas wie Tortellini) und ich konnte die ersten Brocken Russisch aus dem Buch an den Mann bzw. die Frau bringen: Prijatnogo Appetita!

Do skorogo (bis bald) und danke für’s lesen! Ich würde mich auch über ein paar Kommentare hier drunter freuen! 🙂

9 thoughts on “Moldawien Teil 2: Ankunft”

  1. Freut mich von dir zu lesen! ich war auch schon mal in dem Park! da sind doch auch alte sowietische Panzer usw…das fand ich damals cool! 😀
    Ich hoffe du wirst noch irgendwie gefordert und herausgefordert!! LG aus dem Nest, der iMM

  2. Na, dann will ich dich mal nicht enttäuschen.
    Sehr spannend, von deinen Abenteuern zu hören. Ich lese mit großem Vergnügen. Solange es skype und gutes Essen gibt, ist doch auch schon für viel gesorgt. lg Rebecca

  3. Hey Buddy!
    Das hört sich ja spannend an, vielen Dank für die Berichte! Coole Sache, freut mich, dass das so geklappt hat mit dem Praktikum! Wird bestimmt gut! Bin gespannt, wie es weiterhin wird und wie es mit der Sprache hinhaut – da mach ich mir wegen dir keine Sorgen! =)
    Freu mich schon, ab und zu mehr zu lesen, was du so treibst dort… Wünsch dir ne ganz tolle, gesegnete und erlebnisreiche Zeit dort!
    Liebe Grüße aus Freiburg,
    Rahel

  4. Patriiiek!
    Schöan du biest guat gjekommen aan.
    chört sich an alles prima zua sein schjeint.
    essen gut. schlafn gut. mensche gut. chier in dein cheimat au alles gut!
    oli gut, titus gut, und chris au gut. alle gut weil Gott au geben alles was brauchen gut.
    Gott sägenen dich au seehhr seehhr guuut, bitte!
    un au von de wg alllllleeeees guute!!!!
    einem liebem grüße, dem chris

  5. Hallo Patrick,
    ich finde es toll zu lesen, was Du schon alles erlebt hast und freue mich, dass es Dir gut geht.
    Wünsche Dir noch viele gute Begegnungen.
    LG Mama

  6. Hey, Patrick,
    viele Grüße aus Bornich nach Chisinau! Hast du auch so tolles Sommersonnenwetter in Moldawien? Ich freue mich, dass mit der Hitze auch die Ferien angefangen haben…
    Die Vielfalt und Verschiedenheit der Christen und Gemeinden wirst du dir jetzt mit weiteren Mosaiksteinen vorstellen können, das ist doch wirklich ein Reichtum und eine Herausforderung, sich selbst und seine Prägung dankbar wahrzunehmen, aber nicht absolut und einzig seligmachend zu setzen. Ich wünsche dir noch viele Gelegenheiten zum Staunen und Lernen, zum Helfen und zum Bekenntnis zu Christus! Danke, dass wir durch dein blog teilhaben dürfen, liebe Grüße, be blessed,
    Regina

  7. Hallo Patrick,
    ich hoffe, der Laptop kommt gut bei Dir an. Wir haben gerade Kirchweih und Lukas war am Wochenende da. Nächsten Sonntag haben wir keinen GD in Herzi, sondern nachmittags Taufgottesdienst in Erlangen.
    Wir wünsche Dir eine schöne Wochen und Gottes Segen bei Deiner Arbeit.
    Papa

  8. Hallo Patrick,
    freue mich über die Berichte. Ich bewundere sehr deinen Mut. Es ist immer so, dass Land und Leute verglichen werden.
    China war damals eine besondere Herausforderung für
    dich und die Familie. In den östlichen Ländern ist vieles doch noch sehr primitiv, aber die Menschen trotzdem glücklich mit dem was sie haben. Besonders groß ist die Gastfreundlichkeit, so habe ich es in Polen erlebt. Du kommst zu fremden Leuten und sofort wird man an den gedeckten Tisch gebeten.
    Ich wünsche dir weiter eine schöne Zeit und viel Freude bei
    deiner Arbeit.
    Renate

  9. Hallo Patrick,
    habe von Patrizia gehört, was Du gerade so machst! Echt ausgefallen (zumindest das Land). Wünsche Dir noch eine gute Zeit und Grüße von Thiemo.
    Ute

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