Moldawien Teil 1: Anreise

Die meisten von euch wissen, dass ich gerade ein Praktikum in Moldawien mache. Hier auf dem Blog versuche ich euch Up-to-date zu halten. Den Bericht der ersten beiden Tage habe ich geschrieben und ich freue mich auf eure Kommentare :)

(Sorry – am Anfang habe ich nur wenige Bilder gemacht…)

Tag 1: 29.06.2010 — Abfahrt
Nachdem ich alle nötigen Dinge gepackt und organisiert habe, hat mich meine Mutter zum Zentralen Busbahnhof in Nürnberg gebracht. Ich habe mich für eine Fahrt nach Moldawien mit dem Bus entschieden. Die Gründe hierfür sind vierfältig:

  1. Ist es umweltschonender, mit dem Bus zu reisen als zu fliegen
  2. Ist es nicht schneller, als mit dem Zug
  3. Ist es billiger als der Flug und
  4. Kann ich auf der Fahrt bereits anfangen die Menschen und die Kultur des Ziellandes kennen zu lernen.

Mein Punkt 4 war durch und durch richtig: In dem Bus saß niemand (jedenfalls nicht in meiner Nähe), der Deutsch sprach. Alle Sprachen Rumänisch oder Russisch. Meine nette Sitznachbarin hat mir freundlicherweise immer gesagt, wenn Pause ist und versuchte mir auch immer wieder mal klar zu machen, wie lange. Leider habe ich den Unterschied zwischen 3 und 30 im Rumänischen nicht kapiert, also war ich nach 3 Minuten fast immer wieder im Bus – sicherheitshalber.
Der Bus war klimatisiert, hatte eine abgesperrte Toilette und zwei Fernseher. Auf denen lief bis mindestens 12 Uhr abends amerikanische Filme mit rumänischen Untertiteln. Leider habe ich die Untertitel nicht verstanden und der Ton war ziemlich leise, sodass ich die Dialoge auf Englisch auch nicht verstehen konnte.
Nach Nürnberg hielt der Bus noch in Regensburg und Passau. Dann gab es bis Rumänien keine “Haltestelle” mehr, sondern nur noch “Toilettenstops”. Allerdings solange es hell war auch alle 2-3 Stunden, nur die Nacht über gab es nur einen einzigen Halt in Ungarn. Von 22:00 Uhr bis ca. 4:00 Uhr habe ich dann im Bus versucht zu schlafen, leider war meine Fußstütze kaputt und der Sitz ziemlich unbequem, dass ich recht schlecht geschlafen habe.

Tag 2: 30.06.2010 — On the road

Um 4:00 Uhr war ich dann gerädert genug, um keine Lust zu schlafen mehr zu haben. So habe ich die Durchfahrt durch eine große Stadt in Ungarn gesehen und gedacht “Mensch, dass sieht ja aus wie eine Mischung aus Italien, China und Deutschland.” Italienisch waren manche ältere Häuser: Klassischer Baustil, viele Gelb oder Terracotta angemalt. An China erinnerten mich die 4-6stöckigen Sozialistenbauten und der Zustand der Straßen und schließlich “Deutsch” wirkte auf mich die vielen Praktiker, OBIs, Baumaxx, ALDI, LIDL, Fressnapf und BILLA(jaja ich weiß dass das Österreichisch ist).
Um ca. 6:00 Uhr morgens, also 4 Stunden früher als auf meinem Fahrplan stand erreichten wir die kleine Stadt Arad in Rumänien. Ich wusste gar nicht, dass man, um nach Rumänien zu fahren noch eine Passkontrolle durchlaufen muss-jedenfalls war dem so. Der Unterschied zwischen Rumänien und Ungarn war schnell deutlich: Rumänien ist ärmer, schmutziger und hässlicher. Nach Arad kamen wir durch viele Städte, deren Namen in vergessen habe, ein paar Städte sind mir im Ohr geblieben: Deva und Alba Julia, in deren Nähe meine Cousine Rahel bis vor 1 Jahr gewohnt hat;
Sebes, wo die Toiletten am Bahnhof 10cm unter Wasser standen und die Toilettenfrau einfach Ziegelsteine als “Weg” gelegt hatte – das war ein Anblick, den niemand meiner Mitreisenden sehen wollte. Ein Rumäne, der auf der anderen Seite des Gangs von mir saß und – offensichtlich auch Deutsch sprach – meinte zu mir nur “Rumänien ist unglaublich. Ich war jetzt ein Jahr weg und verstehe sowas gar nicht mehr.”; Sibiu (Herrmanstadt) – hier sind fast alle Gäste ausgestiegen. Die Stadt sah wirklich ein ganzes Stück schöner aus, als was ich vorher gesehen hatte. Manche Straßen (z.B. die Strada Alba Julia) trug noch ihren Deutschen Namen (zusätzlich versteht sich: Bahnhofstr.). Zwei Stationen nach Sibiu bin ich dann als einer der letzten Mitfahrer auch ausgestiegen: Brasov.

Brasov

Busbahnhof Bartolomeu in Brasov

Hier sollte ich umsteigen in einen Bus, der mich nach Chisinau bringen würde. Unsere Ankunftszeit war für 19:30 geplant, die Abfahrt des Anschlussbusses auch. Aber in Rumänien ändern sich die Dinge schneller als man gucken kann, und so kamen wir um 17:30 an und Abfahrt war dafür um 20:00. Die lange Pause habe ich genutzt um die Toilette zu besuchen (ich erwähne es deshalb, weil das die erste Toilette in Rumänien war, auf der man länger als 2 Minuten bleiben konnte, ohne denken zu müssen “Ich will hier raus!!!”) und etwas zu essen. Ich habe mir also 5€ in Rumänischen Leu umgetauscht und ein Sandwich gegessen.

Bus Brasov - Chisinau

Glücklicherweise war ich nicht der einzige Transit-Passagier nach Chisinau, zwei Damen – offensichtlich Moldawier – teilten das gleiche Schicksal. So konnte ich ihnen mein Gepäck in der Wartehalle überlassen, während ich gemütlich durch den Busbahnhof schlenderte und mein Abendessen verzehrte. Die beiden konnten mir mit einzelnen Worten Englisch und Italienisch erklären, wie das funktionieren würde. Ich konnte ihnen auch helfen, denn sie hatten im Urlaub so viel eingekauft, dass sie es nicht mehr tragen konnten ;)
Später merkte ich, dass der Mensch am Service-Schalter auch Englisch sprach, aber da wusste ich schon alles, was ich wissen musste.

Unser Bus fuhr dann mit uns Dreien und einem Mädchen, die Anfangs noch mit dem zweiten Fahrer rumknutschte (bis der kurz nach der Abfahrt wieder ausstieg) los. Nach einer Stunde sammelten wir dann noch eine vierköpfige Familie ein und so fuhren wir dann bis ca. 02:00 Uhr an die Moldawische Grenze. Im Fernseher dieses Busses liefen diesmal Russische Filme, allerdings ohne Untertitel und so laut, dass es kaum möglich war zu schlafen.

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